Alles reibungsfrei: Handball360 läuft im Rheinland an
von René Weiss
Daniel Bilmann wollte am Samstagvormittag sicherheitshalber eigentlich ein paar Papierspielberichte ausdrucken, um auf Nummer sicher zu gehen. „Zurück zu den Wurzeln“ quasi im Zeitalter der Digitalität. Aber am Ende sagte sich der Vorsitzende des TV Engers: „Nein! Es wird alles funktionieren.“ Bilmann verzichtete auf den Ausdruck, zeigte volles Vertrauen in die Technik, und sein gutes Gefühl sollte sich bewahrheiten. Das Heimspiel des TV Engers gegen die SG Zweibrücken in der Regionalliga Südwest der weiblichen C-Jugend war eines der ersten in ganz Deutschland unter Einsatz des neuen Spielverwaltungs- und Verbandsmanagement-Systems „Handball360“. Es war die Partie, bei der Bilmann als Zeitnehmer und Katrin Queißer als Zeitnehmerin am Tisch zwischen den beiden Bänken saßen.
Gespannte Blicke gingen am Wochenende überwiegend in Richtung des Handballverbandes Rheinland, weil hier der Großteil der insgesamt 36 Spiele mit dem neuen System stattfanden. Die Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes erkundigten sich bereits kurz nach Spielende in Engers bei HVR-Vizepräsident Spieltechnik Rainer Schneider – er konnte ein positives Fazit nach Dortmund weitergeben. „Es hat sich gelohnt dabeizubleiben und dem System zu vertrauen“, sagt HVR-Präsident Markus Weiskopf.
Einige Verbände hatten in der vergangenen Woche „Handball360“ den Rücken zugekehrt, sie kehren in der bevorstehenden Saison zu alten Systemen zurück. Im HVR-Nachbarverband Hessen zum Beispiel, der erst Mitte September in den Spielbetrieb startet, hielt man die Software für zu fehlerhaft und nicht ausgereift genug. Die Befürchtungen haben sich (zumindest in Engers) nicht bestätigt. „Wenn wir am Ende keinen Papierspielberichtsbogen hier liegen haben, ist alles gut gelaufen“, sagte Schiedsrichter Ben Molly von der DJK Betzdorf, der das Spiel am Rhein gemeinsam mit Daniel Greb leitete. Um 13.43 Uhr gab Molly das elektronische Spielprotokoll schließlich frei. „Alles gut gelaufen“, fasste er zufrieden zusammen.
Die letzten Module im System wurdeen mit heißer Nadel gestrickt, am Donnerstagabend veranstaltete der DHB für die beteiligten Vereine eine Videokonferenz, um das Kampfgericht zu schulen. Punktlandung. Über 200 Teilnehmer erhielten rund anderthalb Stunden lang ihre Instruktionen. „Das ist gut verlaufen. Das System erklärt sich bezüglich des elektronischen Spielberichts eigentlich von selbst“, schilderte Katrin Queißer. „Wir haben alle Funktionalitäten und die technischen Prozesse, die für die Abwicklung des Spieltags relevant sind, vorgestellt", berichtet Dr. Klaus Berding, Vorstand Finanzen und Recht im DHB. Die Stimmung war konstruktiv. Ralph Müller, Schiedsrichterwart im Verband Rheinhessen-Pfalz und Schiedsrichter-Lehrwart der Regionalliga Südwest, spricht sogar von „einer gewissen Aufbruchstimmung und einer großen Offenheit" unter allen Beteiligten. „Wir wollen den Schritt mit Handball360 gehen.“
Die in Engers angesetzten Schiedsrichter gingen auf die Vorteile der Einheitlichkeit ein: „In der vergangenen Saison gab es in der B-Jugend-Bundesliga, in der Regionalliga und auf Verbandsebene drei unterschiedliche Systeme. Das ist jetzt viel besser“, sagt Daniel Greb.
Andere Verbände wie Hessen, Berlin, Bayern und Niedersachsen/Bremen ziehen beim Systemwechsel nicht mit, der HV Rheinland tut’s. „Ein Zurück gibt es nicht mehr. Handballdeutschland hat sich für dieses Programm entschieden, und auch wir im Rheinland werden diesen Weg konsequent umsetzen. Wenn andere Landesverbände zu anderen Entscheidungen kommen, hängt dies nicht ausschließlich von der technischen Umsetzung durch den DHB ab, sondern auch von den unterschiedlichen Strukturen und Größen der einzelnen Verbände. Ich habe mich hierzu auch gegenüber dem DHB klar dafür positioniert, dass diejenigen Verbände, die konsequent an 360 festhalten, bei der Weiterentwicklung und Umsetzung entsprechend unterstützt und priorisiert werden“, so HVR-Präsident Weiskopf, der die Arbeit von Spieltechniker Rainer Schneider ausdrücklich hervorhebt. „Er arbeitet Tag und Nacht an diesem Thema und steht in ständigem Austausch mit den Entwicklern, um Probleme zu lösen und Verbesserungen zu erreichen.“ Die Arbeit hat sich ausgezahlt, wie das Spiel in Engers es bewiesen hat.
