Stellungnahme des HV Rheinland zum „Strategiepapier 2021 – 2025 der AG-Frauenhandball“

Liebe Monika, liebe Kollegen,

der Pfälzer Handballverband hat mit Schreiben vom 05.07.2021 eine sehr detaillierte Stellungnahme zur Problematik des Frauenhandballs und den angestrebten Änderungen abgegeben. Der HV Rheinland steht zu 100 % hinter der Ausarbeitung von Ulf Meyhöfer und stimmt dieser vollumfänglich zu.

Um auch die Meinungen unserer Dritt- und Oberligisten in Erfahrung zu bringen, haben wir uns am 20.07.2021 im Rahmen einer Videokonferenz ausgetauscht, auch das Erweiterte Präsidium (EP) hat sich in seiner Sitzung vom 27.07.2021 mit der Problematik beschäftigt.

Die Idee der Installierung von Handballausbildungszentren für die weibliche Jugend wird von allen Beteiligten befürwortet, wobei – nach einer erforderlichen Evaluation für das 1. Zentrum im Großraum Stuttgart – zeitnah weitere Zentren nach geographischen Gesichtspunkten errichtet werden sollen/müssen. Gut ausgebildeter Nachwuchs ist ein zentrales Standbein für einen erfolgreichen Handballsport auf internationalem Niveau.

Zentrales Element des Strategiepapiers ist die auf den Folien 15 und 16 präsentierte Neuausrichtung der Ligenstruktur. Hierzu möchten wir in Absprache mit unseren Vereinen folgendes anmerken:

  • Die Änderungen für die 1. und 2. BL waren überfällig, aber hier geht man nur einen Schritt zurück in die Saison 2010/2011 und korrigiert die damaligen Fehler der HBF. Aber immerhin datiert aus dieser Zeit die letzte Medaille bei der WM 2007 in Frankreich unter Trainer Armin Emmrich.
  • Welchen Effekt soll der Wegfall der 3. Liga haben? Was versteht die „AG-Frauenhandball“ unter der Verdichtung? Ein Aufstieg aus der OL in die 2. BL ist aus unserer Sicht so gut wie ausgeschlossen. Erst gegen Ende Mai stehen die Aufsteiger fest. Wie sollen die Vereine dann noch neue Spielerinnen, die Zweitliganiveau haben, unter Vertrag nehmen? Es sei denn sie verpflichten für teures Geld - das die Vereine höchst wahrscheinlich nicht haben - Spielerinnen aus dem Ausland. Das kann nicht Sinn der Reform sein. Erst nachdem der Aufstieg feststeht, können die Vereine versuchen neue Sponsoren für die 2. BL zu suchen. Immerhin müssen sie ihr Budget von max. 100.000,00 € für die OL auf 400.000,00 € bis 500.000,00 € für die 2. BL erhöhen. Aus unserer Sicht ein Ding der Unmöglichkeit. Weiterhin müssen vereinsinterne Strukturen geschaffen werden, die den Bedingungen der 2. BL gerecht werden. OL-Mannschaften, die das Ziel eines Aufstiegs in die 2. Liga anvisieren, müssen bereits in der Oberliga mit einem Etat antreten der nahe an die 2. Liga heranreicht, da bei 120 Oberligisten nur 4 Aufstiegsplätze ausgespielt werden. Dieser Flaschenhals ist eine fast unüberwindbare Hürde. Steigen dann Mannschaften einer Oberliga nicht auf, die entsprechendes Geld investiert haben, ist die Insolvenz des Vereins die einzig logische Konsequenz. Damit schwindet auch die Motivation in der OL zu spielen.In Konsequenz entstehen zwei fast komplett abgeschottete Bereiche, 1. und 2. BL als Profibereich, OL und die unterklassigen Mannschaften als reiner Amateurbereich.
  • Im Februar/März hat der DHB Mannschaften gesucht, die in der 3. Liga spielen möchten. Jetzt soll sie ohne erkennbare Not abgeschafft werden. Dabei ist sie die optimale Liga zwischen dem Amateurbereich OL und der BL. Talente, auch aus den neu geschaffenen Leistungszentren, haben hier die Möglichkeiten sich schrittweise an ein höheres Niveau heranzuarbeiten, die Vereine sind in der Pflicht die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen. Allein die Zugehörigkeit zur 3. Liga erleichtert hier vieles und ist ein guter Türöffner.
  • In Regionen wie dem Rheinland (bis 2015 mit 2 Mannschaften in der 1. Liga) sind die beiden Drittligisten zweifelsfrei Leuchttürme. Sollten auch sie von der Bildfläche verschwinden, dann mutiert der HV Rheinland im weiblichen Sektor zur handballerischen Diaspora.
  • Weiterhin verwehren wir uns (hier schreibe ich auch in meiner Funktion als geschäftsführender Präsident der RPS-Oberliga) gegen das Diktat des DHB in Hinblick auf die Mannschaftszahl der OL. Die vorgegebene Größe von 12 Mannschaften bereits für die Saison 2022/2023 steht im Widerspruch zu den Durchführungsbestimmungen für die RPS-Obrliga, die am 01.07.2021 in Kraft getreten sind.

    Für die Saison 2022/2023 ist eine Staffelstärke von 14 Mannschaften festgelegt worden. Diese kann durch Absteiger aus der 3. Liga nach oben korrigiert werden. Letztendlich reicht die vom DHB vorgegebene Strategie bis in die untersten Klassen und zwingt dem LV auf nach den Vorgaben des DHB zu handeln. Das ist letztendlich ein Eingriff in die Autonomie des LV auf allen Ebenen.

Zur Reform der JBLH weiblich: Einige Ligen spielen bereits nach dieser Altersklasseneinteilung. Wie sind hier die Erfahrungen? Vor einer Meinungsäußerung wurde ich gerne die Rückmeldungen der anderen LV abwarten.

Beschluss: Aufgrund der vorgebrachten Bedenken lehnt der HV Rheinland die Auflösung der 3. Liga und die vorgesehene Neuordnung der Oberligen ab.


Viele sportliche Grüße

gez. Peter Josef Schmitz (Präsident des HV Rheinland)
gez. Axel Weinand (1. Vorsitzender HSG Wittlich)
gez. Marcus Welling (1. Vorsitzender TV Welling)
gez. Bernd Everding (1. Vorsitzender HSG Hunsrück)
gez. Ulrich Schulte-Wissermann (1. Vositzender HC Koblenz)
gez. Udo Schandoni (Abteilungsleiter Handball TV Bassenheim)

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