RLP-Handball gewinnt Ländervergleich

Männliche Rheinland-Pfalz-Auswahl gewinnt Handball-Ländervergleich - Mädchen landen beim Turnier in Budenheim auf Rang drei

Dass der Jahrgang 2007 in Rheinland-Pfalz ein guter ist, war Landestrainer Jan Ludwig schon vorher klar. Aber dass seine Jungs dermaßen überzeugen würden, damit hatte er nicht gerechnet. Mit vier unangefochtenen Siegen gewann das Team RLP den Ländervergleich mit den Handballverbänden Niederrhein, Niedersachsen/Bremen, Hessen und Saar. Auch die Mädchen des Jahrgangs 2008 verkauften sich gut und belegten mit ausgeglichenem Punktekonto Platz drei.

Ein ganzes Wochenende lang hatten sich die Auswahl-Mannschaften der fünf Verbände in Budenheim eingenistet, wo sie in Wald- und Schulsporthalle nach ersten Trainingseinheiten am Freitag zwei Tage lang ihre Kräfte maßen. Auf die männliche Rheinland-Pfalz-Auswahl wartete zum Einstand am Samstagmorgen gleich der am stärksten eingeschätzte Kontrahent aus Hessen, der unerwartet souverän mit 21:13 geschlagen wurde und sich am Ende mit dem zweiten Platz begnügen musste. „Wir hatten den Gegner mit einer sehr, sehr starken Leistung komplett im Griff. Das hat uns riesiges Selbstvertrauen gegeben und war der Schlüssel für alles, was danach kam“, kommentierte Ludwig den gelungenen Auftakt, der die Stärken des RLP-Teams aufzeigte: Körperliche Nachteile wurden durch Spielwitz, Tempo und sehr gut abgestimmtes Defensivverhalten ausgeglichen. „Wir haben hier einen sehr spielstarken Jahrgang, Die Jungs finden viele kreative Lösungen und waren in dieser Beziehung allen anderen Teams überlegen. Hinten haben wir fast nur mit einer 3:2:1-Abwehr agiert und auch die hat wirklich sehr gut funktioniert.“

Das zeigte sich dann auch im zweiten Spiel gegen das am Ende punktlose Saarland, das die Rheinland-Pfälzer durchgängig dominierten und mit 23:12 noch überlegener gewannen. Die beiden Spiele am Sonntag liefen dann zumindest vom Ergebnis her deutlich enger. Aber auch beim 25:23 gegen den HV Niedersachsen/Bremen und dem abschließenden 21:19 gegen den auf dem dritten Rang endenden Niederrhein hatten die Rheinland-Pfälzer durchgängig die Oberhand und bestimmten jeweils das Geschehen. „Die Jungs waren super motiviert. Wir sind mit ihrer Einstellung und dem spielerischen Auftreten rundum zufrieden“, lobte Ludwig, der seinen Fokus diesmal bei der männlichen Auswahl hatte. Die beeindruckte ihn besonders durch ihre ausgeglichene Besetzung, was ihr Spiel für die Gegner schwer auszurechnen macht. Wenn es überhaupt einen Spieler herauszuheben gab, dann bestenfalls den Friesenheimer Frederik Zepp, der in der Mitte die Fäden zog und sich als Kopf der Mannschaft präsentierte. Der HV Rheinhessen war stark vertreten durch Piet Hahn und Leon Spira von der SG Bretzenheim, Ole Steinhauer und Oliver Milosavljevic vom TV Nieder-Olm sowie Levin Braun von den Sportfreunden Budenheim, dessen Vereinskamerad Fabiano Barba nach dem Auskurieren seiner Verletzung sicher auch zu den Leistungsträgern der RLP-Auswahl gehört.

Die Betreuung der weiblichen Auswahl oblag Landes-Stützpunkttrainer Steffen Christmann, der bei seinem Team deutlich mehr Leistungsschwankungen beobachtete. „Von acht Halbzeiten haben wir fünf gewonnen, eine unentschieden gespielt und zwei verloren - die dann aber sehr deutlich“, resümierte er die Ausbeute von täglich einem Sieg und einer Niederlage. Die RLP-Mädels kamen ebenfalls richtig gut ins Turnier und schlugen zum Auftakt den am Ende letztplatzierten HV Niederrhein mit 18:10. Herausragend präsentierte sich dabei Torfrau Luisa Werner (HSG Eckbachtal), die in der ersten Halbzeit kaum zu überwinden war und mit ihren Paraden für eine frühzeitige Entscheidung sorgte. Genau anders herum lief es dann im zweiten Spiel gegen Hessen, als das Team RLP zunächst in der Abwehr keinen Zugriff hatte. Somit kam auch kein Tempospiel zustande und im Positionsspiel fehlte das Durchsetzungsvermögen. Nach einem 4:12-Pausenrückstand durfte sich Christmann aber über eine deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit freuen, die zum 12:16-Endstand führte. „Wir haben unsere Lehren aus den Fehlern der ersten Halbzeit gezogen und die zweite Halbzeit dann deutlich gewonnen, kommentierte Christmann, der vor allem Schwächen im Zweikampfverhalten angesprochen hatte. Diese sind zumindest teilweise auch darauf zurückzuführen, dass das RLP-Team nicht allzu groß gewachsen ist, was dann am Sonntag gegen Niedersachsen/Bremen zum entscheidenden Faktor werden sollte. Denn die Norddeutschen hatten zwei sehr große und durchsetzungsstarke Rückraumspielerinnen dabei, die nicht zu bremsen waren und ihr Team zu einem hohen 29:14-Erfolg führten. Mit einem versöhnlichen 18:14-Sieg in der letzten Partie gegen das Saarland sicherten sich die Rheinland-Pfälzerinnen aber noch Rang drei hinter Hessen und Niedersachsen, die sich nach einem Unentschieden im direkten Duell den ersten Platz teilten. „Mit der Gesamtbilanz sind wir mehr als zufrieden. Bei dem, was wir bisher trainieren konnten, war das in Ordnung“, urteilte Christmann, der besonders Mittespielerin Anna Schönhofen (HSG Wittlich) eine starke Leistung bescheinigte. Ein Sonderlob gab es auch für die beiden Nieder-Olmerinnen Sarah Riveiro, die im Angriff viel Verantwortung übernahm, und Katharina Stenner für ihre sehr starke Abwehrleistung. Die Farben des HV Rheinhessen vertraten zudem Torfrau Louisa Rodday (TV Nieder-Olm) und Nele Bitz vom HSC Ingelheim.

Mit ihrem starken Auftreten lebte die Landesarbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz vor, was die drei Handballverbände im Land anstreben: Eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf sportlicher und organisatorischer Ebene. Denn während die Verschmelzung der Landesverbände Rheinhessen, Rheinland und Pfalz noch in Vorbereitung ist, läuft ihre Kooperation auf Ebene der Nachwuchsförderung bereits seit Jahren sehr intensiv. Bei der alljährlichen Sichtung des Deutschen Handballbunds treten die drei Verbände schon seit langem mit einem gemeinsamen Kader an. Zumindest was das Zusammenspiel als Mannschaft angeht, hat dieser dabei aber einen Nachteil gegenüber den anderen Verbänden, deren Teams über Jahre zusammenspielen und aufgebaut werden. Die Jungen und Mädchen des Teams Rheinland-Pfalz hingegen standen sich noch vor wenigen Monaten als Gegner in den jeweiligen Auswahl-Mannschaften ihrer Landesverbände gegenüber. Erst im letzten Jahr vor der jeweils im Frühjahr stattfindenden DHB-Sichtung werden die besten Spieler der drei Verbands-Auswahlen zusammengezogen, um sich gemeinsam vorzubereiten. Umso höher sind die Leistungen der RLP-Teams beim Ländervergleich einzuschätzen. „Die Gegner haben uns den Gefallen getan, keine 6:0-Abwehr zu spielen, denn die haben wir noch nicht in der Tiefe behandelt. Wir wurden mit den Dingen konfrontiert, die wir in den letzten Wochen besprochen haben. Es war cool, wie gut das funktioniert hat. Mit dieser Konstanz haben wir das nicht erwartet“, freute sich Ludwig. „Bei den Mädels müssen wir einige Dinge noch vertiefen, aber bei den Jungs werden wir schon in die Vorbereitung auf die DHB-Tests gehen.“

Für das Team RLP waren im Einsatz:
weiblicher Jahrgang 2008: Mira Bender (HSG Landau/Land), Malaika Binder (TuS 04 KL-Dansenberg), Nele Bitz (JSG Ingelheim/Ober-Hilbersheim), Mattea Feiten (HSC Schweich), Annika Kutschera (TV Kirrweiler), Mira Martiny, Anna Schönhofen, Emilia Sibi, Mona Vollmer (alle HSG Wittlich), Nelly Müller (PST Trier), Sarah Riveiro, Louisa Rodday, Katharina Stenner (alle TV Nieder-Olm), Anais Schöfel (TV Wörth 03), Luisa Werner (HSG Eckbachtal), Juli Wolf (TSG Friesenheim).
männlicher Jahrgang 2007: Erik Byczek (JSG Welling/Bassenheim), Lennart de Hooge (TuS KL-Dansenberg), Piet Hahn, Leon Spira (beide SG Mz.-Bretzenheim), Thomas Jendrsczok, Daniel Szczendzina (HSG Landau/Land), Adrian Maric (HC Koblenz), Oliver Milosavljevic, Ole Steinhauer (beider TV Nieder-Olm), Tilo Müller, Marcello Ricco, Karl Sommer, Frederik Zepp, Daniel Simon, Matej Simicic (alle mHSG Friesenheim/Hochdorf), Levin Braun (SF Budenheim).

Text und Bilder: Dirk Waidner (Pressewart HV Rheinhessen)

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