12. Mai 2019

Dritte Amtszeit für Schmitz und Abtritt einer Legende

Peter Josef Schmitz führte auch weiterhin den Handballverband Rheinland als Präsident an. Das ergaben die Wahlen im Rahmen des Verbanstages am Samstag in Wirges. Im Führungsgremium gab es durch Amtsniederlegungen von Herbert Schuhmacher und Paul Schmidt aber auch Veränderungen


Sie führen in den nächsten drei Jahren den HV Rheinland an, von links: Winfried Schabio, Hans Apel, Peter Josef Schmitz, Rainer Schneider, Klaus Müller.

Der Verbandstag in Wirges könnte möglicherweise der in dieser Form letzte des Handballverbandes Rheinland gewesen sein. Genauso wie in anderen Sportarten wird auch von den Ballwerfern ein möglicher Zusammenschluss mit Rheinhessen und der Pfalz zu einem gemeinsamen rheinland-pfälzischen Landesverband ins Auge gefasst. Dem Vernehmen nach seien zumindest schon einmal die jeweiligen Präsidenten Friedhelm Jakob (Pfalz), Klaus Kuhn (Rheinhessen) und Peter Josef Schmitz (Rheinland) nicht abgeneigt, auf den Weg gebracht ist dieses Projekt allerdings noch längst nicht. In Wirges stimmten die Anwesenden für die Aufnahme von ergebnisoffene Gesprächen mit Pfalz und Rheinhessen sowie nach einstimmigem Beschluss auch dem Saarland. Diese Gespräche wird HVR-Chef Schmitz dann aber mit neuen Funktionärskollegen führen, denn im Gegensatz zum wiedergewählten Weiberner werden Jakob und Kuhn bei den anstehenden Verbandstagen der Pfalz und Rheinhessens ihre Ämter zur Verfügung stellen.


Paul Schmidt (links) schied als Vizepräsident Jugend aus. Er stellte sein Amt zur Verfügung.

Schmitz nahm am Samstag die Arbeit seiner nunmehr dritten Amtszeit nach einstimmigem Wahlergebnis auf. In seinem Rückblick auf die vergangenen drei Jahre sprach Schmitz von den Glanzpunkten, zu denen er vor allem die Vorrundenspiele der Frauen-Weltmeisterschaft in Trier zählte. Enttäuschend hingegen fiel seine Bilanz des Leistungssports aus. Die Oberliga RPS ist aktuell mit Ausnahme der DJK/MJC Trier, die aus der 2. Frauen-Bundesliga abgestiegen ist, das Ende der HVR-Fahnenstange.


Peter Josef Schmitz wurde einstimmig als HVR-Präsident im Amt bestätigt

Der alte und neue Präsident führt einen Vorstand an, der auf mehreren Positionen sein Gesicht veränderte. Herbert Schuhmacher (Trier) und Paul Schmidt (Bendorf) kündigten frühzeitig an, für ihre Ämter als Vizepräsident Spieltechnik beziehungsweise Vizepräsident Jugend nicht mehr zu kandidieren. Schmidt, der zwei Amtsperioden lang seinen Posten bekleidet hatte und sich gemeinsam mit "seinem" Ausschuss um die Jugendwarte Heike Apel sowie Ralf Schneider um die Organisation diverser Verbandsauswahlturniere, des EVM-Cups, der HVR-Sichtung, des Jugend-Talent-Camps und des HVR-Jugend-Cups gekümmert hatte, stellte in seinem Fazit fest: "Im Rheinland sind wir, was die Auswahlmannschaften betrifft, gut aufgestellt. Die Verbandstrainer Rudi Engel und Esther Herrmann leisten gute Arbeit, was sich in den zahlreichen Nominierungen für die Landesauswahl und die DHB-Sichtung widerspiegelt." Auch die Installation des Grundschul-Aktiontages ("Die Anzahl der teilnehmenden Vereine und Schulen wächst von Jahr zu Jahr") sei "eine gute Sache für die Vereine, um neue Nachwuchsspieler zu akquirieren". Die Talente, die den Handballsport mit höheren Ambitionen betreiben, zieht es inzwischen immer häufiger in Leistungszentren von Bundesligisten, weil im Rheinland die Anlaufstellen fehlen, um die entsprechende Förderung zu genießen. "Unsere Bestrebungen, ein eigenes Leistungszentrum zu gründen, sind ja bekanntlich gescheitert", hadert Schmidt, als dessen Nachfolger die Versammlung Hans Apel bestimmte. Der Förderung des Nachwuchses hat sich auch Freundeskreis des Verbandes verschrieben. Die Vorsitzenden Bernd Krist und Ralf W. Schneider übergaben sämtlichen Vereinen Gutscheine für eine qualifizierte Jugendtrainer-Ausbildung.

Deutlichen Verbesserungsbedarf gibt es im Leistungssport. "Die Entwicklung zeigt mehr als deutlich, dass neben dem fehlenden Leistungspotenzial aufgrund der geringen Verteilungsdichte an Mannschaften auch das notwendige Sponsoring für einen erfolgreichen und nachhaltigen Leistungssport fehlt", leitet Herbert Schuhmacher, der 15 Jahre lang als Spieltechnik-Vizepräsident amtierte, nicht zuletzt aus dem Rückzug der Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern und dem erst neulich von Frauen-Zweitligist DJK/MJC Trier gestellten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzfahrens ab. Der erfahrene Handballfachmann aus Trier ging auf Rückgänge von Mannschaftsmeldungen um die 12 Prozent im Erwachsenen- und sogar fast 30 Prozent im Jugendbereich in den vergangenen Jahren ein, die er unter anderem auf die demografische Entwicklung und den sozio-kulturellen Wandel zurückführt. Erst kürzlich hat der Verbandsspielausschuss als Reaktion auf das "Mannschaftssterben" beschlossen, nach der Saison 2019/20 die beiden Verbandsligen zu einer zusammenzuführen. "Die Erhaltung der spielbereichsbezogenen Spielklassen muss Vorrang vor weiteren Veränderungen in den oberen Ligen habe, um damit der zunehmenden Ausdünnung im lokalen Bereich entgegenzuwirken", fordert Schuhmacher. Trotz aller Schwierigkeiten prognostiziert er: "Ich bin mir sicher, dass die praktizierte Zusammenarbeit und Kooperation zwischen den Vereinen gegenwärtig und in Zukunft der Sportart Handball ihren Stellenwert in den Regionen unseres Verbandes sichern und erhalten wird." Schuhmacher zählte als akribische und zuverlässige Institution zu den arriviertesten Spieltechnikern im Deutschen Handballbund. "Mit ihm tritt eine Legende ab", betonte Peter Josef Schmitz, als er Schuhmacher gemeinsam mit den DHB-Vertretern Mark Schober und Hans Artschwager mit der Silbernen DHB-Ehrennadel auszeichnete. Eine weitere Auszeichnung ging an den langjährigen Weiberner Schiedsrichter Ernst Ebert. Er erhielt die HVR-Ehrennadel in Gold.


Ernst Ebert vom TuS Weibern wurde mit der goldenen HVR-Ehrennadel ausgezeichnet.

Herbert Schuhmachers Arbeit übernimmt ein im HVR bestens bekanntes Gesicht, das bislang mit anderen Aufgaben betraut war. Mit Rainer Schneider (Mendig) erhielt der bisherige Verbandsschiedsrichterwart das Vertrauen der Versammlung. Bevor sich der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter zur Wahl stellte, skizzierte er in seinem Bericht noch den Status quo bei den Unparteiischen. "In den vergangenen drei Jahren hat sich die angespannte Situation leider nicht verbessert. Gegenüber den 164 Schiedsrichtern im Jahr 2007 hatten wir zu Beginn diesen Jahres noch 141. Wir sind weiterhin auf die Mithilfe aus den Vereinen angewiesen, entsprechende Sportfreunde für die Aufgaben des Schiedsrichters zu gewinnen." Schneiders Erbe übernimmt fortan Michael Sauerwein, der selbst zum HVR-Schiedsrichterkader zählt.
Von einer Entschärfung der finanziellen Lage ("Insgesamt hat sich die Haushaltssituation stabilisiert") sprach der für die Finanzen zuständige Vizepräsident Klaus Müller (Waldesch). Das Abgrenzungskonto beim Sportbund Rheinland konnte mit dem Abschluss des Haushaltsjahres 2018 vollständig getilgt werden. Allgemeine Kostensteigerungen und die Erhöhung der DHB-Umlagen konnten (Müller: "leider nur") durch die Erhöhung der Meldegelder aufgefangen werden. "2019 planen wir nach langen Jahren erstmals wieder mit dem Aufbau einer zunächst kleinen Rücklage als Risikopuffer", so Müller weiter. Ums Geld ging's auch in den Ausführungen von DHB-Generalsekretär Mark Schober und Vizepräsident Hans Artschwager. "Es muss mehr Geld in das ganze System", betonte Schober. Erfolge der Nationalmannschaft (Artschwager: "Wenn die Spitze Erfolg hat, kommt das der ganzen Sportart und somit auch der Basis zugute"), eine Mitgliedergewinnung und eine Reduzierung durch Zusammenlegungen von Landesverbänden seien die wesentlichen Ziele der "Perspektive 2020+". Einige der in Wirges anwesenden Vereinsvertreter äußerten Befürchtungen, der deutsche Dachverband könnte mehr Abgaben durch die Landesverbände verlangen, was wiederum auf die Vereine umgelegt werden könnte. Schober besänftigte: "Wir wollen mit Mehreinnahmen auch die Basis stärken. Mittelfristig profitieren wir alle, aber noch sind unsere Planungen nicht weit genug, um Konkretes sagen zu können."


Einer der arriviertesten Spieltechniker geht in den Handball-Ruhestand: Herbert Schuhmacher (2. von links, hier neben Helmut Bündgen, Hans Artschwager und Peter Josef Schmitz) erhielt zum Abschied die silberne DHB-Ehrennadel.

Die Gewählten
Präsident: Peter Josef Schmitz, Vizepräsident Finanzen: Klaus Müller, Vizepräsident Jugend: Hans Apel, Vizepräsident Spieltechnik: Rainer Schneider, Vizepräsident Recht: Winfried Schabio, Verbandsjugendwarte: Heike Apel (Mädchen) und Ralf Schneider (Jungen), Verbandsschiedsrichterwart: Michael Sauerwein. Landesspruchausschuss: Stefan Krempel (Vorsitzender), Jürgen Junk, Bernd Kirst, Manfred Rommersbach, Herbert Mäncher, Verbandsgericht: Ulrich Schulte-Wissermann (Vorsitzender), Willibald Nemeth, Gerd Schug, Dieter Heger, Ralf W. Schneider, Kassenprüfer: Rudolf Meid, Helmut Bündgen, Christian Schmidt.

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