18. März 2019

Rheinland-Pfälzer überzeugen bei Sichtung

Unter anderem zwei Spieler aus dem Bereich des HV Rheinland spielten kürzlich unter den Augen der DHB-Nachwuchstrainer vor. Von der Sichtung nahmen sie wichtige Erfahrungen mit.

Zehn Feldspieler und zwei Torhüter eines jeden Landesverbandes dürfen jährlich zur Sichtung für die Jugendnationalmannschaft antreten. Aus diesen 240 Spielern sucht sich der Stab der Nationaltrainer unter der Leitung von Cheftrainer Jochen Beppler und DHB-Talent-Coach Carsten Klawehn 36 Spieler aus, die zum ersten Lehrgang Ende März eingeladen werden. Rheinlan-Pfalz wurde durch Malte Dorra, Benjamin Lincks (beide TSG Fiesenheim), Luis Friedrich, Niklas Glindemann, Niclas Josten, Denis Milosavljevic (alle TV Nieder-Olm), Tim Hemmerle, Jacob Ullmann (beide JH Mülheim-Urmitz), Tobias Kurz, Philipp Baro (beide TuS Dansenberg), Lars Wagenknecht und Colin Rummel (beide TV Hochdorf) vertreten.
An den ersten beiden Tagen absolvierten die Spieler athletische Test und positionsspezifische Grundübungen. Insgesamt bewegten sich die Rheinland-Pfälzer in einem akzeptablen Mittefeld. Wurfkraft, Sprungkraft, 20-Meter-Sprint waren im Vergleich zu den anderen Landesverbänden hingegen leider unterdurchschnittlich. Herausragend waren dafür aber die Leistung von Benjamin Lincks im Achterlauf (zweitschnellste Zeit in der Sichtung) und die Leistungen von Luis Friedrich sowie Jacob Ullmann im Bodenturnen mit den Plätzen eins und zwei im Gesamtranking der Sichtung.
Gleich im ersten Mannschaftsspiel gelang der Rheinland-Pfalz-Auswahl ein Sieg gegen Westfalen. Eine geschlossene Teamleistung auf einem hohen Level sorgte für diesen gelungenen Auftakt. In der zweiten Partie gegen den HV Baden zeichnete sich jedoch schnell ab, dass der Kraftaufwand seine Spuren hinterlassen hatte. Man konnte das nochmals höhere Tempo, das der Gegner anschlug, nicht mitgehen. Ein klarer Sieg für Baden war trotz hoher Motivation nicht zu verhindern.
Am dritten Tag standen die Grundspiele vier gegen vier und sechs gegen fünf neben weiteren positionsspezifischen Tests auf dem Programm. Die vier Grundspiele werden jeweils gegen andere Landesverbände bestritten, dabei konnten drei von vier Begegnungen dank mannschaftstaktisch sehr guter Leistungen gewonnen werden. In den positionsspezifischen Tests gab es dann schon deutlich mehr Verbesserungsvorschläge seitens der DHB-Trainer. Vor allem Alexander Koke, Co-Trainer von Erik Wudtke, forderte mehr Variantenreichtum bei den Rückraumspielern im Spiel eins gegen eins, sowohl im Angriff als auch in der Abwehr. Yves Grafenhorst, der die Leistungen von Lars Wagenknecht und Niklas Glindemann auf Linksaußen sowie Benjamin Lincks und Niclas Josten auf Rechtsaußen unter die Lupe nahm, war da schon wieder weitaus mehr angetan von dem, was er beobachten konnte.
Am Nachmittag stand das nächste Mannschaftsspiel gegen Bayern, den späteren Turniersieger, an. Die erste Halbzeit, die immer mit einer 3:2:1-Abwehr-Formation bestritten werden muss, konnten die Rheinland-Pfälzer noch mit einem Unentschieden abschließen. Die zweite Halbzeit, hier ist zwingend eine 6:0-Abwehr-Formation vorgeschrieben, war jedoch aufgrund des großen Kräfteverschleißes nicht mehr zu gewinnen. Die größere individuelle Leistungsfähigkeit des bayerischen Kaders in der gesamten Breite ließ einem keine Chance auf einen weiteren Punktgewinn. Ähnlich wie am Vortag, war der Akku im zweiten Mannschaftsspiel zu leer. Auch der HV Mittelrhein erwies sich als zu stark. Platz vier in der Gruppe bedeutete damit den Einzug ins Spiel um Platz sieben gegen das Saarland. Hier wollten alle noch einmal auf sich aufmerksam machen, zumal die DHB-Trainer am Abend zuvor durchblicken ließen, dass ein Rheinland-Pfälzer für die Nationalmannschaft interessant sein könnte. Den Namen nannten sie allerdings noch nicht. Das hieß für das Trainerteam, nochmals bestimmte Spieler auf bestimmten Positionen zeigen zu müssen, natürlich alles ohne Gewähr - eine schwierige Situation.
Die Saarländer gingen sehr engagiert zur Sache. Denis Milosavljevic, Jacob Ullmann und Benjamin Lincks erkämpften immer wieder Siebenmeter, die Lincks auch allesamt souverän verwandelte. Dennoch liefen die Rheinland-Pfälzer häufig einem Rückstand hinterher und waren sehr froh, die erste Hälfte mit einem Unentschieden zu beenden. In der zweiten Halbzeit stellten man eine gut funktionierende 6:0-Abwehr, dahinter zeigte Luis Friedrich starke Paraden. Ein effektives Angriffsspiel sowohl in 1:1-Situationen als auch mannschaftstaktisch sorgten für einen erfolgreichen Ausgang. Der Sieg im Penaltywerfen war dann nur noch Formsache. Der Sieg setzte hinter die während der gesamten Sichtung gezeigten guten Leistungen noch das fehlende Ausrufezeichen - mit den rheinland-pfälzischen Handball muss man rechnen.
So zogen die Trainer Rudi Engel (Rheinland), Detlef Röder (Pfalz) und Jan Ludwig (Rheinhessen) ein durchweg positives Fazit: "Die Spieler sind vier Tage lang hochmotiviert an jede Aufgabe herangegangen, haben sich gegenseitig unterstützt und angefeuert, sich immer als homogenes Team präsentiert und Rheinland-Pfalz vorbildlich vertreten. Ein Dank an dieser Stelle an alle Eltern, Vereinstrainer und Förderer, die die Jungs auf diesem anspruchsvollen Weg begleitet haben." Als nächste Etappe steht der Deutschland-Cup in Berlin im Dezember an.
Inzwischen haben die DHB-Verantwortlichen auch bekanntgegeben, welche Spieler sich für höhere Aufgaben empfehlen konnten: Benjamin Lincks darf vom 27. bis 30. März am Lehrgang der Jugendnationalmannschaft in Warendorf teilnehmen, Lars Wagenknecht steht im Reservekader.

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