22. November 2016

RLP-Teams überraschen mit Plätzen eins und zwei

Die Verbandstrainer waren überrascht: Beim Ländervergleichsturnier in Mülheim-Kärlich zeigten sich die rheinland-pfälzischen Nachwuchsteams von ihrer besten Seite. Die Mädchen gewannen unerwartet, die Jungen mussten sich nach ebenfalls starken Leistungen nur Hessen geschlagen geben.

Ein letztes Mal hochsteigen zum Sprungwurf, ein letztes Mal abziehen, ein letztes Mal den Ball verfolgen - Emily Hagedorn hatte mit diesem Abschluss nichts mehr zu verlieren. Vier Sekunden waren im Spiel der weiblichen Rheinland-Pfalz-Auswahl beim Ländervergleichsturnier in Mülheim-Kärlich gegen die besten hessischen Talente noch zu spielen, als sie aus der zweiten Reihe abzog. Der Ball schlug unmittelbar vor dem Ertönen der Schlusssirene im Tor ein, Hagedorn rannte jubeln los, verfolgt und schließlich ausgiebig gefeiert von ihren Mitspielerinnen. Es war der Treffer zum 16:16-Endstand, und wie sich später herausstellte, zum Turniersieg. Hessen hätte in seinem letzten Turnierspiel gegen das Team vom Niederrhein mit elf Bällen Unterschied gewinnen müssen, um das Team von Nicoletta Humm und David Clemens noch vom ersten Platz zu verdrängen. Hessen verlor, und ein RLP-Erfolg stand fest, mit dem niemand gerechnet hatte. "Das war ein völlig überraschendes Ergebnis. Unsere Mannschaft hat in dieser Besetzung noch nie zusammen gespielt", merkte Humm an. Umso höher waren die drei Siege (19:12 gegen das Saarland, 22:15 gegen Niederrhein, 26:23 gegen Niedersachsen) sowie das Unentschieden Hessen zu bewerten. "Der Kampfgeist hat uns ausgezeichnet. Die Mannschaft zeigte eine unbeschreibliche Moral und kämpfte auch körperlich um Welten überlegene Gegner nieder", zeigte sich die Landestrainerin beeindruckt. Der 2002er-Jahrgang, der in Mülheim-Kärlich unterstützt von einigen 2003ern auf der Platte stand, ist aus rheinland-pfälzischer Sicht ein kleiner, aber ein qualitativ feiner. Das machten auch die Auszeichnungen zu den besten Spielerinnen der zweitägigen Veranstaltung deutlich: RLP-Torhüterin Lena Dettling teilte sich die Ehrung mit Elena de Agozio (HV Saar), Emily Hagedorn nicht nur wegen ihres Tores gegen Hessen mit Mia Lakenmacher (HV Niedersachsen), Tochter des ehemaligen Nationalspielers Sven Lakenmacher. In der siegreichen Mädchenmannschaften befanden sich die HVR-Spielerinnen Lara Bierenfeld (TV Arzheim), Lena Hoffmann (DJK/MJC Trier), Marie Teusch und Merle Kloep (beide HSG Wittlich).


Auch bei den Jungen (Jahrgänge 2001/2002) lief alles auf ein "Finale" zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen heraus. Rheinland-Pfalz hatte die drei ersten Partien für sich entschieden und Hessen spielte nach zwei Siegen unentschieden gegen Niederrhein. Beide Teams ermittelten somit den Turniersieger im direkten Aufeinandertreffen. Hier setzte sich die HHV-Auswahl nach zweimal 20 Minuten mit 21:17 durch. Zur Halbzeit hatte es noch remis gestanden (10:10). "Nach drei anstrengenden Partien am ersten Tag war es für mich verständlich, dass wir am zweiten nur noch bis zur Hälfte der Spielzeit vor allem körperlich mithalten konnten", erklärte RLP-Landestrainer Marcel Trinks, der nichtsdestotrotz davon sprach, dass sich die rheinland-pfälzische Auswahl durchweg gut verkaufte: "Wir haben gesehen, dass wir uns im Landesvergleich mit diesen Jahrgängen nicht verstecken müssen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Der Unterschied war meistens wesentlich größer. Die engere Zusammenarbeit zwischen Landestrainer und den drei Verbandstrainern aus Rheinhessen, Rheinland und der Pfalz macht sich definitiv bemerkbar. Es geht nur gemeinsam, um im Vergleich zu den stärkeren Landesverbänden stets Konkurrenzfähig zu bleiben." Auch das Leistungsgefälle innerhalb des rheinland-pfälzischen Teams hat sich verbessert. Zwar besitzt die Pfalz immer noch einen Vorsprung, aber das Rheinland und Rheinhessen holen immer mehr auf.


Den gastgebenden HVR vertraten in Mülheim-Kärlich die drei Lokalmatadore Jo Knipp, Moritz Körnert und Torwart Yannick Stromberg sowie Felix Frombach von der HSG Wittlich. "Jo hat als jüngerer 2002er-Jahrgang noch Zeit, um sich zu entwickeln, Moritz hat auf Linksaußen eine durchweg ordentliche Leistung gezeigt, Felix hat positive Akzente gesetzt. Yannick, zur Zeit als Nummer zwei an Bord, zeichnete sich bei einem gehaltenen Siebenmeter aus", so Trinks' Urteil über die rheinländischen Talente.
Durchweg hinterließen alle RLP-Spieler positive Eindrücke, und einige von ihnen konnten sich auch für die anstehende DHB-Sichtung im März bereits in den Fokus rücken. Auch wenn der Landestrainer, unterstützt durch HVR-Verbandscoach Rudi Engel, mit Platz zwei zufrieden war, sieht er teilweise noch Rückstände gegenüber anderen Bundesliga ansässigen Landesverbänden. "Im Spiel gegen Hessen hat man in der zweiten Halbzeit gesehen, wie groß diese Unterschiede aussehen, wenn uns Spieler aus einem Förderungssystem mit teilweise Internatsstrukturen und Handball-Leistungszentren gegenüberstehen. Hier hinken wir in Rheinland-Pfalz immer noch hinterher."
Als zuverlässiger Gastgeber tat sich der TV Mülheim hervor, der mit einer sehr guten Organisation überzeugte. Es spricht nichts dagegen, in den kommenden Jahren hier weitere Turniere dieser Art auszurichten. Auch die beiden direkt nebeneinander liegenden Hallen, die des Schulzentrums und die Philipp-Heift-Halle, bieten infrastruktuell perfekte Bedingungen dafür.

Für das männliche RLP-Team spielten: Felix Kadow, Yannick Stromberg - Felix Frombach (2), Paul Blohm (13), Jo Knipp (2), Moritz Körnert (3), Nils Mader (3), Marius Peter (7), Lukas Räuber (1), Nils Röller (16), Thorben Schlüter (17), Florens Steck (4), Lukas Walther (4), Luka Wilbrandt (25).


Für das weibliche RLP-Team spielten: Lena Dettling, Kristina Sundermann - Emily Hagedorn (17), Chiara Thorn (6), Lara Bierenfeld (11), Celine Sold (11), Gina Dörr (9), Merle Kloep (6), Mona Reichling (3), Jana Hägele (2), Lara Jentzsch (2), Lena Hoffmann (2), Hanna Rudolph (1), Jana Vogt (1), Marie Teusch.

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